


„Diese Ehrenamtlichen arbeiten auf Hoffnung hin, auch wenn die Hoffnung kaum mehr als ein Silberstreif am Horizont ist“, sagte Superintendent Michael Manz in seiner Laudatio an die Hoffnungspreisträger*innen 2025.

Ausgezeichnet wurden die ehrenamtlich Mitarbeitenden des stationären und des ambulanten Hospizes in Mülheim. Der Mülheimer Hoffnungspreis wird traditionell beim ökumenischen Neujahrsempfang durch das Katholische Stadtdekanat und den Evangelischen Kirchenkreis An der Ruhr vergeben.
Der Umgang mit dem Sterben ist für Viele ein Thema, von dem sie lieber Abstand halten. „,Ich könnte das nicht‘, das höre ich oft von meinen Bekannten“, sagt Karin Watermann, die sich ehrenamtlich im ambulanten Hospiz engagiert. „Genau das“, pflichtet ihr Kollegin Sigrid Burrows aus dem stationären Hospiz spontan bei. Auch sie hat den Satz oft gehört. „Dabei wird hier sogar viel gelacht“, betont Burrows.
Sigrid Burrows kam zu ihrem Ehrenamt, nachdem ihre Mutter im Hospiz an der Friedrichstraße verstorben war. „Das Team hier hat uns Geschwister so toll begleitet. Da kam niemand mit so etwas wie ,Wird schon wieder‘. Die Ehrenamtlichen haben einen einfach in den Arm genommen. Das war so viel wert. Und das möchte ich jetzt gerne wieder zurückgeben.“
Vor dem „Zurückgeben“ im praktischen Dienst steht sowohl im ambulanten als auch im stationären Hospiz eine Ausbildung, die mindestens 160 Kursstunden umfasst. Vier Monate Ausbildung und dann ein Praktikum, so sieht der Einstieg im ambulanten Hospiz aus. „Unser aktueller Kurs hat im Oktober begonnen und läuft noch bis Juni“, erläutert Christoph Franke, Pflegedienstleiter im stationären Hospiz an der Friedrichstraße. Die Ehrenamtler*innen bringen vor allem eines mit: Zeit. „Sie können mit einem Gast auch einmal einen Spaziergang machen, wenn es ihm gerade gut geht,“ so Franke. Auch über die Begleitung von Gästen hinaus bringen die Ehrenamtler*innen sich im Hospiz ein. Sigrid Burrows übernimmt einmal in der Woche den Dienst am Empfang, backt Waffeln für Gäste und Angehörige und hilft beim Abendbrot.
„Und es wird auch gar nicht die ganze Zeit über den Tod geredet“, räumt Ursula König, 1. Vorsitzende des Ambulanten Hospiz e.V. mit verbreiteten Annahmen auf. „Ich habe mal eine Dame begleitet, die sich gefreut hat, wenn ich ihr einen Aperol Spritz gemixt habe“. Die Begleitungen sind so unterschiedlich wie die Menschen, denen sie zuteil wird. „Manchmal halten wir nur eine Hand, manchmal reden wir miteinander. Möglicherweise auch über Dinge, die die kranken Menschen nicht mit ihren Angehörigen teilen wollen“, berichtet Karin Watermann. Und wenn das Erfahrene für die Ehrenamtlichen zu schwer zu verdauen ist, haben sie die Möglichkeit, alles mit Kolleg*innen oder auch in professioneller Supervision zu besprechen.
Der gemeinnützige Trägerverein des ambulanten Hospizes wurde 1996 gegründet. Aktuell sind dort rund 50 Ehrenamtliche engagiert. „Die meisten übernehmen eine Begleitung für etwa zwei bis drei Stunden in der Woche. Aber die Einsatzzeit variiert“, erklärt Ursula König. Im 2012 gegründeten stationären Hospiz an der Friedrichstraße gibt es 60 ehrenamtlich Mitarbeitende. Sigrid Burros und Karin Watermann können das Engagement nur empfehlen: „Jeder sollte die Herausforderung annehmen zu schauen ,Wo kann ich mich einbringen?‘ sagt Sigrid Burrows. Karin Watermann zieht für sich selbst etwas Gutes aus dem Engagement: „Man wird zufriedener“.
Wer sich für ein ehrenamtliches Engagement in der Hospizarbeit interessiert oder die Arbeit mit einer Spende unterstützen möchte, findet alle Kontaktdaten und Ansprechpartner*innen unter:
(Bild + Text Kirchenkreis An der Ruhr)
Stellvertretend für alle Ehrenamtlichen der Mülheimer Hospize nahmen den Hoffnungspreis entgegen: Stefanie Volkhausen, Sigrid Burrows, Jörg Döring und Uli Heuser (stationäres Hospiz) sowie Sigrid Bruns, Michaela Menne, Marianne Schröder, Karin Watermann und Ursula König (ambulantes Hospiz).